Asterix: Die (Kul)Tour de France
27. Juni 2026

1700 Seiten „Astérix“ hatte er gelesen, um sich auf den Vortrag vorzubereiten: Martin Boekstiegel, unser Mitglied und Leiter der Volkshochschule Bayreuth. Vor fünfzehn hochinteressierten Zuhörern stellte er am 27. Juni 2026 seine Untersuchungsergebnisse zum Thema „Asterix: Die (Kul)Tour de France“ vor.
Zunächst holte der Referent weit aus und erläuterte das Konzept der Lieux de mémoire nach Pierre Nora, ging dann aber auf die politischen und wirtschaftlichen Hintergründe der frühen 60er Jahre ein, als die ersten Astrix-Bände erschienen. Der Zweite Weltkrieg war noch nicht lange vorüber, als Goscinny und Uderzo mit „Astérix le Gaulois“ eine über die Maße erfolgreiche Comicserie starteten. So verwundert es nicht, dass sich die deutsche Besatzung Frankreichs in den 40er Jahren in der Okkupation Galliens durch die Römer 50 vor Christus aufgegriffen wird. Die Römer stehen also für die Deutschen, zumindest manchmal. Manchmal ist der Widerstand des kleinen gallischen Dorfes auch Sinnbild der Opposition Frankreichs gegen die amerikanische Kultur oder auch gegen die Zentralgewalt in Paris. Generell ist eine 1:1-Entsprechung nicht gegeben. Auf Napoleon I. als Sieger über fremde Mächte wird insbesondere in „Astérix en Corse“ angespielt, wohingegen in „Astérix chez les Belges“ Caesar unübersehbar für den Kaiser der Franzosen in der Schlacht bei Waterloo steht.
Martin Boekstiegel zeigte anhand beeindruckender konkreter Beispiele die zahlreichen historischen, sozialen, kulturellen Themen an, die mittels witzigster Anspielungen und Wortspiele aufgegriffen werden: die Kollaboration in der Figur des Moralélastix in „Astérix et le chaudron“, die Bürokratie in der Figur des in Formularen sprechenden Steuereintreibers in demselben Band, der Gegensatz von Hauptstadt und Provinz in „Les lauriers de César“.
Insgesamt war der Vortrag sowohl für Asterix-Neulingen wie auch für Experten ein großer Gewinn.
Steffen Arzberger
