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Das Leben ist eine Meinungssache: Comtesse Marie d’Agoult (1805 bis 1876)

16. Apr. 2026

Der Saal im Internationalen Zirkel in der Schulstraße platzte aus allen Nähten – manch ein Zuhörer musste vom angrenzenden Bibliotheksraum bzw. vom Gang aus lauschen – man nahm die unbequeme Lage aber gern in Kauf, um dem Referenten in seinen hochinteressanten Ausführungen zu folgen. Unser Mitglied Claus J. Frankl – seines Zeichens Regisseur, Sänger, Schauspieler, Autor, Dramaturg und ausgewiesener Kenner des Wagnerschen Bayreuths – fesselte uns alle mit einem inhaltlich wie rhetorisch brillanten Vortrag über Cosima Wagners Mutter, die Gräfin Marie d’Agoult. Wir erfuhren über diese faszinierende Frau beispielsweise, dass Franz Liszt ihre große Liebe war. Mit ihm hatte sie drei Kinder, unter anderem Cosima, die spätere Frau Richard Wagners. Die vollständig zweisprachige Marie d’Agoult war eine Tochter des französischen Exilanten Alexander de Flavigny und der Frankfurter Bankierstochter Maria Bethmann. Sie gilt als eine bedeutende Historikerin, Romanautorin und Philosophin, verfasste eine hochgeachtete Geschichte der Revolution von 1848 und zahlreiche Essays zu Fragen der Politik und der Kunst wie ihre „Moralische Skizzen und Reflexionen“. Sie veröffentlichte zum einen ihre „Erinnerungen an Franz Liszt“ und zum anderen ihre „Memoiren“ (über die Zeit nach Franz Liszt) sowie einen „Biographie-Roman“ mit dem Titel „Nélida“ (dahinter verbirgt sich ihr Pseudonym „Daniel [Stern]“).  Hier zeigt sich eine Parallele zu der mit ihr bekannten französischen Schriftstellerin George Sand, eigentlich Amantine Dupin de Francueil. Die Materialien zum Thema (Bücher und DVD's) wandern in die Stadtbibliothek RW 21 und sind dort demnächst entleihbar. 

Mit ihrem Schwiegersohn Richard Wagner verband sie die gemeinsame politische Einstellung – man kann sich vorstellen, dass sie sich gut verstanden und über die Revolution diskutierten. Weniger gut verstand sie sich mit dessen Frau, ihrer Tochter Cosima, die dann auch immer mehr Progressives aus den Wagner-Festspielen verbannte und sich immer weiter deutschnational ausrichtete.

Steffen Arzberger


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